Das Fördergebiet Vicelinviertel
Gebietsbeschreibung
Das Vicelinviertel ist ein innenstadtnahes Wohngebiet, welches 1998 von der Stadt Neumünster förmlich als Sanierungsgebiet festgelegt und 1999 in das Bund- Länder-Programm Soziale Stadt aufgenommen wurde. Die hohe Dichte sozialer Belastungen erfordert neben klassischen Sanierungsmaßnahmen Aktivitäten, welche soziale Stabilität, friedliches Zusammenleben und lokale Ökonomie fördern.
Das Gebiet umfasst ca. 24 ha und ist geprägt durch kleinteilige, vorindustrieelle Bebauung im Süden sowie durch mehrgeschossige, gründerzeitliche Mietshausbebauung im Norden und in Teilbereichen durch kleinteilige Mischung aus Wohnen und Arbeiten.
Im Vicelinviertel leben knapp 4.000 Menschen aus mindestens 20 Nationen. Im gesamtstädtischen Vergleich leben hier überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche, sowie Erwachsene im Alter von 18 - 30 Jahre. Das Gebiet ist somit der jüngste Stadtteil in Neumünster. Es gibt eine Grundschule und zwei Kindertagesstätten in freier Trägerschaft. Trotz rückläufiger Tendenz der Gewerbeansiedlung funktioniert die Nahversorgung mit Waren des täglichen Bedarfs gut.
Problemlagen
Das Vicelinviertel ist ein Stadtteil mit hoher sozialer Belastung, durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Die Arbeitslosenquote im Sozialraum Nordost, zu dem das Vicelinviertel gehört, liegt bei 18,8 % (gesamtstädtisch 8,5 %), 42,6 % erhalten Grundsicherung nach SGB II (gesamtstädtisch 13,9 %). Der Anteil an im Gebiet lebenden Ausländern und Ausländerinnen liegt bei 16,4 % (gesamtstädtisch 6,1 %). Viele Alleinerziehende - vor allem Frauen - leben im Stadtteil, sie umfassen 14,1 % (gesamtstädtisch 7,3 %). Zusammenfassend lässt sich anhand dieser Daten feststellen, dass im Gebiet die Häufung unterdurchschnittlicher Haushalteinkommen einhergeht mit Sozialhilfebezug, Arbeitslosigkeit und hohem Anteil ausländischer BewohnerInnen.
Durch Ausbildungsdefizite bei Ausländerinnen, den hohen Anteil an Alleinerziehenden und lange Familienphasen ist die Erwerbstätigkeit bei Frauen besonders niedrig. Hinzu kommt die häufige Nichtanerkennung von Ausbildungsabschlüssen bei MigrantInnen und Zugewanderten.
Viele Kinder werden unzureichend auf ein strukturiertes, schöpferisches Dasein im Sinne von Erwerbsleben vorbereitet. Bildungsdefizite gepaart mit mangelnden Sozialkompetenzen führen bei Jugendlichen häufig zu frühzeitiger Lernverweigerung bzw. Ausbildungsabbruch.
Gesamtstädtisch ist der Anteil von Jugendgerichtshilfen und Hilfen zur Erziehung im Gebiet hoch.
Die Lebensqualität im Vicelinviertel ist gekennzeichnet durch wenig öffentliche Frei- und Grünflächen sowie durch mangelnde Attraktivität privater Grünflächen. Es gibt keinen öffentlichen Treffpunkt und es fehlt weitgehend an zielgruppenorientierten niederschwelligen Angeboten zur Erschließung der Ressourcen im Quartier und der Potenziale der Wohnbevölkerung.
Ein relatives hohes Verkehrsaufkommen vor allem im nördlichen Gebietsteil ist Ursache für starke Emmissionsbelastung im Gebiet.
Mangelhafte Ausstattung sowie schlechter Zustand der Wohnungen gehen oft einher mit familienunverträglichen Grundrissen von Wohnungen und Gebäuden. Folgen sind ein vergleichsweise niedriges Mietniveau, einseitige Sozialstrukturen, hohe Mieterfluktuation und fortschreitende Verwahrlosung des Wohnungsbestandes.
Die kleinteilige Gewerbestruktur im Gebiet ist gekennzeichnet durch Kleinbetriebe mit wenig Angestellten, familien- sowie inhabergeführte Unternehmen bei einem hohen Anteil von AusländerInnen und MigrantInnen. Es gibt kaum Ausbildungsplätze im Gebiet.
Die Gesundheitsversorgung im Quartier ist nicht ausreichend gesichert, da Arztpraxen u.a. Angebote in der Innenstadt angesiedelt sind.
Die statistischen Daten sind dem Sozialbericht für Neumünster 2008/2009 entnommen und beziehen sich auf den Sozialraum Nordost, zu dem das Vicelinviertel gehört.













